Landesklasse West 2006/2007 - Rückblick
Sehr spannende Saison
In der Landesklasse West ging es diese Saison sehr spannend zu. Sowohl das Rennen um den Titel als auch der Kampf gegen den Abstieg blieben bis zur letzten Runde interessant. Überraschend konnte Taunusstein die Meisterschaft erringen, da Braunfels in der letzten Runde gegen den Tabellenvorletzten knapp verlor. Nach längerer Zeit geht der Titel somit wieder einmal an einen Vertreter des RTS (zuletzt 2000/01 an Wiesbaden 1885 2), was für die kommende Saison zugleich eine Verringerung der Anzahl von RTS-Mannschaften in der LK West auf vier Mannschaften bedeutet.
Sehr spannend verlief auch der Abstiegskampf. Wie knapp es zuging, wird dadurch belegt, dass Erbach als Vierter in der Endabrechnung 9:9 Punkte, der Absteiger Marburg 2 als Achter 8:10 Punkte erreichte. Die vergangenen Jahre belegen im Übrigen, dass auch ein ausgeglichenes Punktekonto nicht sicher vor dem Abstieg schützt. Neben Marburg 2 und Stadtallendorf muss die erst kürzlich wieder aufgestiegene Mannschaft von Dotzheim 3 den Weg in den Bezirk antreten.
Saisonverlauf
Bereits die Resultate der ersten Runde deuteten auf ein ausgeglichenes Feld hin, in dem jeder jeden schlagen konnte: Kein Team erzielte in der Eröffnungsrunde mehr als 4,5 Brettpunkte! Von den 45 Mannschaftskämpfen der Saison gingen 24, also über die Hälfte ganz knapp aus (4,5:3,5 oder 4:4), was im Vergleich zu früheren Spielzeiten eine sehr hohe Quote ist (2004/05 und 2005/06 jeweils 16 knappe Ergebnisse, 2003/04 sogar nur 10).
In der zweiten Runde setzten sich Idstein, Dotzheim 2 und Braunfels vorne ab, während (erwartungsgemäß) Dotzheim 3 und der Aufsteiger aus dem Bezirk 9, Bad Marienberg, sich auf den letzten Plätzen wiederfanden. Das Spitzentrio blieb auch nach der dritten Runde unverändert, nachdem das wichtige Duell Dotzheim 2 gegen Braunfels 4:4 ausgegangen war. Braunfels und Idstein gaben sich auch in der vierten Runde keine Blöße, während Dotzheim 2 zu Hause gegen Marburg knapp und überraschend verlor. Da sich anschließend noch Samuel Minor im Oberliga-Team von Dotzheim festspielte und weitere Ausfälle zu beklagen waren, schied Dotzheim 2 aus dem Titelrennen aus. In der fünften Runde verlor das Team gegen Erbach, das bis dahin lediglich 1:7 Punkte gesammelt hatte und schon in eine sehr brenzlige Lage geraten war. Taunusstein setzte in der gleichen Runde mit einem knappen Sieg gegen den Tabellenführer Idstein ein deutliches Signal und nahm im Spitzentrio den Platz von Dotzheim 2 ein. Ein bemerkenswerter Patzer unterlief Braunfels, das gegen die zu siebt antretende Mannschaft von Dotzheim 3 lediglich ein 4:4 erreichte. Das gleiche Kunststück und wiederum auswärts gelang Dotzheim 3 übrigens noch einmal in der siebten Runde gegen Marburg 2.
In der siebten Runde konnte sich Idstein mit einem glücklichen 4,5-3,5 gegen Dotzheim 2, das nur mit sechs Spielern antrat, an der Spitze absetzen. Beide Konkurrenten ließen überraschend Federn, Taunusstein deutlich gegen Stadtallendorf und Braunfels knapp gegen Marburg 2. Erbach setzte seine Erholung mit einem deutlichen Sieg gegen Bad Marienberg fort, welches seinerseits nunmehr mit 2: 10 Punkten schon wie ein sicherer Absteiger aussah. Doch mit dem Rücken zur Wand stehend wuchs Bad Marienberg in den drei Schlussrunden über sich hinaus und erreichte durch drei knappe Siege doch noch den Klassenerhalt. Erstes Opfer war in der siebten Runde ausgerechnet der Tabellenführer Idstein, der zu Hause eine 3,5:4,5-Niederlage kassierte. Taunusstein und Braunfels machten ihre Sache besser und zogen mit Idstein gleich. Offenbar konnte sich Idstein von diesem Schock nicht erholen, denn im Spitzenduell der achten Runde verlor die Mannschaft um Dirk Bender deutlich gegen Braunfels.
Angesichts einer lösbaren Aufgabe in der Schlussrunde sah nunmehr Braunfels wie der sichere Meister aus, während das punktgleiche Taunusstein nur noch Außenseiterchancen hatte. Auch für den Webmaster des HSV schien die Sache klar, aber er täuschte sich (wie bereits zuvor). Die Nerven der Braunfelser Spieler hielten nicht stand, obwohl es gegen den Vorletzten (Stadtallendorf) ging und dieser nur sieben Spieler aufbot. Keinem Braunfelser Spieler gelang ein Sieg, die Meisterschaft war dahin! Taunusstein hingegen gewann sicher gegen das inzwischen arg gebeutelte Dotzheim 2 (vier Ersatzspieler und ein kampfloses Brett) und durfte sich über den Titel freuen.
Im Abstiegskampf vollendete Bad Marienberg seine Aufholjagd und erreichte mit viel Glück den rettenden siebten Platz. Zur Rettung bzw. zum eigenen Untergang trug freilich Marburg 2 erheblich bei, das in der Schlussrunde mit 7,5:0,5 in Idstein abgefertigt wurde. Nur ein Brettpunkt mehr und Marburg 2 hätte die Klasse gehalten! Bad Marienberg muss demnach sehr dankbar nach Idstein schauen: In der siebten Runde begann dort die eigene Siegesserie und in der neunten Runde steuerte Idstein den wichtigen Kantersieg gegen den Abstiegskonkurrenten bei.
Nicht mehr retten konnten sich Stadtallendorf, das zwar - zum großen Leidwesen von Braunfels - noch einmal gewann, aber nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt hatte, sowie Dotzheim 3.
Die einzelnen Mannschaften
Der Meister aus Taunusstein kam recht schwer in die Gänge. Ein knapper Sieg gegen Bad Marienberg und eine Niederlage gegen Braunfels ließen eigentlich keine großen Sprünge erwarten. Zudem griff die Mannschaft recht häufig auf Ersatzspieler zurück (17 Mal), was in der Regel keine gute Voraussetzung für einen guten Saisonverlauf ist. Dass gleichwohl die Meisterschaft errungen wurde, lag wohl an den starken Nerven des Teams in schwierigen Situationen, denn knappe Mannschaftskämpfe gingen stets zugunsten von Taunusstein aus (vier 4,5-Siege).
Die Taunussteiner Meistermannschaft

Bernd Reinhold (Brett 3), Tino Loukas (Ersatz),
Holger Ursel (Ersatz),Stefan Meyer (Brett 2),
Martin Januszewski (Brett 5), Michael Roffmann (Brett 8).
Vom Stammteam fehlen: Roland Neb, Frank Mayer,
Uwe Menning und Michael Bolduan.
Das Bild wurde von Michael Bolduan zur Verfügung gestellt.
Zweiter wurde Idstein, das lediglich sechs Mal (im Jahr zuvor sogar nur vier Mal) auf Ersatz zurückgreifen musste. Die Heimniederlage gegen Bad Marienberg warf die Mannschaft kurz vor dem Ziel aus der Bahn.
Die unglücklichste Mannschaft dürfte Braunfels sein, die trotz bester Voraussetzungen in der Schlussrunde scheiterte und nur Dritter wurde. Erstaunlicherweise gab Braunfels fünf seiner sechs Minuspunkte an die drei Absteiger ab!
Vierter wurde Erbach. Die Platzierung täuscht über den Saisonverlauf. Mit 1:7 Punkten gestartet gelang noch eine Aufholjagd, die zwar nicht so spektakulär wie die von Bad Marienberg verlief, aber doch auch beeindruckte. Gezittert werden musste jedenfalls bis zum Schluss (siehe auch Christoph Keller, Hessen-Rochade 4/2007, S. 25). Besonders zu erwähnen ist der Einsatz von Nachwuchsspielern: Der inzwischen 15-jährige Gerhard Jung ist fest als Stammspieler etabliert, und gegen Bad Marienberg kam das erst 11-jährige Talent Janek Elkmann zum Einsatz, das in einem Generationenduell seinen erheblich älteren Gegner bravourös schlug.
Ebenfalls auf dem vierten Platz landete die Mannschaft aus Wetzlar, von der bislang nicht die Rede war. Der Absteiger aus der Verbandsliga hielt sich konstant unauffällig auf dem vierten oder fünften Platz; nur in der sechsten Runde gelang ein kurzfristiger Sprung auf den zweiten Platz.
Sechster wurde Dotzheim 2. In der gemeldeten Aufstellung hätte Dotzheim 2 sicher zu den Titelanwärtern gezählt, aber Mannschaftsführer Stefan Zimmermann musste mit erheblichen Ausfällen kämpfen und 27 Mal Ersatz aufbieten. Mit Mühe und Not konnte in der siebten Runde Stadtallendorf geschlagen werden, andernfalls wäre das Team abgestiegen.
Auf dem rettenden siebten Platz landete Bad Marienberg, das damit im dritten Anlauf den direkten Wiederabstieg verhindern konnte. Der fulminante Schlussspurt und die sonstigen glücklichen Umstände der Rettung wurden bereits dargelegt.
Achter und damit einer von drei Absteigern wurde Marburg 2, das nach der siebten Runde mit 8:6 Punkten noch auf einem komfortablen 5. Platz stand, in den letzten Runden aber einbrach. Das Debakel in der Schlussrunde gegen Idstein (0,5-7,5) ließ zu allem Unglück auch noch den Brettpunktevorsprung dahinschmelzen.
Als Vorletzter ebenfalls absteigen muss Stadtallendorf, das zwar gegen den Meister und gegen Braunfels gewann, aber gegen die Abstiegskonkurrenten schlecht aussah. Es ist anzunehmen, dass wir das Team um den HSV-Ehrenvorsitzenden Erich Böhme bald in der LK West wiedersehen werden.
Letzter wurde Dotzheim 3, das den direkten Wiederabstieg nicht verhindern konnte. Die besten Leistungen erbrachte die Mannschaft erstaunlicherweise in Unterzahl (jeweils ein 4:4 gegen Braunfels und Marburg 2). Auch Dotzheim 3 dürfte als bewährte "Fahrstuhlmannschaft" bald wieder Einzug in die Liga halten.
Die erfolgreichsten Spieler
Zu den Einzelspielern der fünf Mannschaften aus dem Bezirk 8 (kampflose Partien sind nicht berücksichtigt): Beim Meister Taunusstein überzeugten vom Stammteam Stefan Meyer (5 aus 7, Leistungszahl: 2113 DWZ), Frank Mayer (5/8) sowie Uwe Menning (5,5/8), von den Ersatzspielern Volker Mühlschlegel (3,5/5) und Tino Loukas (2,5/3). Bei Idstein überragte Behrang Sadeghi (6/8, Leistung: 2151), aber auch Dimitro Goloborodko (5,5/9) und Eduard Schwarz (6,5/9) spielten sehr gut. Von Erbach sind Neuzugang Heiko Marzahn (5,5/9), außerdem Eric Simon (6,5/9) und Stefan Friedel (3/5) hervorzuheben. Bei Dotzheim 2 fiel (zuverlässig wie in den vergangenen Jahren) der Bezirksvorsitzende Stefan Zimmermann positiv auf (5/7, Leistung: 2110), daneben Volker Schmidt, der als "Ersatzspieler" 7,5 aus 9 Punkten erzielte. Dotzheim 3 fand in seinen Spitzenspielern Frank Hermes (3,5/5, Leistung: 2148) und Emin Baladjaev (5/8) sowie in Hilmar Lenz (4,5/7) seine besten Scorer.
Ausblick 2007/08
Als Absteiger aus der Verbandsliga Nord kehrt Biebertal in die Landesklasse West zurück. Aufsteiger aus dem Bezirk 3 sind die Schachfreunde Battenberg. Das Team ging in der Bezirksoberliga mit einer Durchschnitts-DWZ von 1807 an den Start, wobei die ersten vier Bretter deutlich stärker besetzt waren als die hinteren. Aus dem Bezirk 8 wird die Liga durch Wiesbaden 2 verstärkt, das zwar nur Vizemeister in der Bezirksoberliga wurde, jedoch von dem Verzicht der Taunussteiner Zweiten profitiert. Vervollständigt wird die Klasse durch Lindenholzhausen, das Meister im Bezirk 9 wurde (Mannschaftsfoto in Hessen-Rochade 4/2007, S. 26) und bereits in der Saison 2005/06 in der Landesklasse West mitmischte.
Die Mannschaftsaufstellungen der Saison 2007/08 waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt, so dass Prognosen schwierig sind. Braunfels und Idstein dürften allerdings wieder zu den Titelanwärtern zählen.
Auswirkungen auf den Abstiegskampf wird unter Umständen die Aufteilung der beiden Verbandsligen haben, die bekanntlich jährlich nach geographischen Gesichtspunkten neu zusammengestellt werden. Taunusstein, Limburg und Niederbrechen werden in der stärkeren Südgruppe spielen und dort wahrscheinlich abstiegsgefährdet sein. Aber auch in der Verbandsliga Nord findet sich mit Wieseck ein Wackelkandidat, der ebenfalls in die Landesklasse West zurückkehren würde. Das Risiko, dass es zwei Absteiger in unsere Liga geben wird, ist nach meiner Ansicht deshalb leicht erhöht.
Als Neuerung im Spielbetrieb hat der Turnierleiter in der Hessen-Rochade 5/2007 im Übrigen eine Verkürzung der Bedenkzeit von sieben auf sechs Stunden bekannt gegeben.
Dr. Eric Simon, 2. Vorsitzender des Bezirks 8
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