Landesklasse West 2007/2008 - Rückblick

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Endlich Meister!
Vier Mannschaften des RTS nahmen 2007/08 am Spielbetrieb der Landesklasse West teil. Zwei davon – Idstein und Dotzheim II – gehörten angesichts ihrer Spielstärke von Beginn an zu den Titelfavoriten, wobei Idstein mit einer durchschnittlich 40 Punkte höheren DWZ gegenüber Dotzheim als erster Anwärter auf den Titel gelten konnte. Anders als in der Saison 2006/07 wurde Idstein seiner Favoritenrolle auch gerecht und verdient Meister. In neun von zehn Runden führte Idstein die Tabelle an. Die Nerven der Spieler hielten auch in der letzten Runde, als der punktgleiche Verfolger Dotzheim II mit 5:3 geschlagen werden konnte. Berücksichtigt man, dass Idstein sowohl 2006/07 als auch 2004/05 Vizemeister war, ist der Aufstieg in der Tat überfällig.

Der Kampf gegen den Abstieg war wieder einmal von den Unwägbarkeiten über die Anzahl der Absteiger geprägt. Weniger schwierig war die Frage, welche Mannschaften auf den hinteren Rängen landen würden: Ab der 6. Runde änderte sich an den Plätzen 7-10 ( Biebertal, Wetzlar, Lindenholzhausen, Bad Marienberg) nichts mehr! Lange Zeit sah es allerdings sogar so aus, dass auch der Sechste – also die halbe Liga – würde absteigen müssen. Um den sicheren fünften Tabellenplatz lieferten sich Battenberg und Erbach seit der 4. Runde einen erbitterten Kampf, den letztlich Battenberg mit einem Brettpunkt Vorsprung für sich entscheiden konnte. Im ungünstigsten, aber durchaus nicht unwahrscheinlichen Fall wäre Erbach als Sechster mit 10:8 Punkten abgestiegen – eine Situation, die zwar in der Landesklasse West immer wieder einmal eintreten kann, über die man aber immer wieder staunt.

Mannschaften und Saisonverlauf
Die Qualität der gemeldeten Mannschaften sprach eigentlich für ein recht ausgeglichenes Feld. Vom Durchschnitt aller Teams (DWZ 1863) gab es abgesehen vom Favoriten Idstein (DWZ 1933) und vom ersten Abstiegskandidaten Bad Marienberg (DWZ 1791) eine nur geringe Streuung nach oben und unten. Gleichwohl kristallisierte sich schon bald ein deutliches Bild heraus, das sich immer mehr verfestigte. Bereits nach der 4. Runde war fast die Schlusstabelle erreicht!

Beim Meister Idstein beeindruckte wieder einmal die Konstanz des Personals, denn Mannschaftsführer Dirk Bender musste nur dreimal auf Ersatzspieler zurückgreifen – rekordverdächtig! Eine Blöße gab sich die Mannschaft lediglich in der 5. Runde mit einer knappen Niederlage gegen Wiesbaden 1885 II.

Die Idsteiner Meistermannschaft (von links nach rechts):

hintere Reihe:
Eduard Schwarz, Dmitri Goloborodko,
Safet Hoti, Behrang Sadeghi, Gero Marten
vordere Reihe:
Dirk Bender, Eugenia Korentsvik, Hort Bender

(Das Bild wurde von Gero Marten zur Verfügung gestellt.)

Auch der Vizemeister Dotzheim kam mit recht wenigen (10) Ersatzspielern aus. An diesen lag es allerdings nicht, dass die Meisterschaft verpasst wurde, denn bei beiden Niederlagen (gegen 1885 II und Idstein) konnten die Reservisten punkten. Betrachtet man die letzten Jahre, hätte auch Dotzheim die Meisterschaft durchaus verdient; in den letzten zehn Spielzeiten mischte die Mannschaft fast immer vorne mit. Recht unauffällig agierte Braunfels, das Dritter wurde und weder Chancen auf den Titel hatte, noch um den Klassenerhalt bangen musste. Bemerkenswert ist hingegen der Saisonverlauf des Tabellenvierten Wiesbaden 1885 II. Kurioserweise gewann die Mannschaft gegen alle Teams aus der ersten Tabellenhälfte, während sie gegen die hinteren Ränge (Platz 6-10) nur drei magere Punkte aus drei Unentschieden erzielte! Auffällig bei 1885 ist weiter der häufige Einsatz von Ersatzspielern (22): ab Runde 5 traten mindestens drei, in den beiden Schlussrunden sogar je vier Reservisten an. Wiesbaden 1885 II hatte zudem die meisten (7) knappen Ergebnisse der Liga (dreimal 4,5-3,5, einmal 3,5-4,5 und dreimal 4-4). Übrigens endeten in der Saison insgesamt 17 Wettkämpfe dermaßen knapp, was ein eher durchschnittlicher Wert ist; die Vorsaison fiel mit 24 knappen Ergebnissen aus dem Rahmen des Üblichen.

Auf Platz 5 landete Battenberg, dessen – im Vergleich zur Erwartung nach DWZ – gutes Abschneiden sich nicht zuletzt daraus erklärt, dass regelmäßig statt des an Brett acht gemeldeten Spielers mit DWZ 1575 ein Ersatzspieler mit DWZ 1876 zum Einsatz kam. Für Erbach endete die Saison erfreulich, denn der sechste Platz genügte für den Klassenerhalt. Lediglich fünf Ersatzspieler mussten aushelfen. Ein Happy End gab es auch für Biebertal, das als Absteiger aus der Verbandsliga Siebter wurde. Dieser Platz genügte letztlich noch zum Klassenerhalt, weil zwei Vereine ihre Mannschaften aus den hessischen Spielklassen zurückziehen (Taunusstein und Baunatal). Überraschend bei Betrachtung der "DWZ-Setzliste" war das schwache Abschneiden von Wetzlar. Obwohl die Mannschaft Platz drei der Setzliste belegte und im Wesentlichen auch mit dem gemeldeten Team spielte, gelangte sie in der Tabelle nie über Platz sieben hinaus und landete schließlich auf (Abstiegs-) Platz acht. Weniger überraschend waren hingegen die Platzierungen von Lindenholzhausen (9.) und Bad Marienberg (10.), die als "Fahrstuhl-Mannschaften" nicht zum ersten Mal die Landeklasse West verlassen müssen (und voraussichtlich bald wiederkehren werden). Beide Teams mussten häufig auf Ersatzspieler zurückgreifen: Lindenholzhausen 16 Mal, Bad Marienberg 23 Mal.
Zur Abstiegssituation und zur Ligastruktur
Bereits angedeutet wurde die wieder einmal höchst unbefriedigende Situation in der Frage nach der Zahl der Absteiger. Durch die nach geographischen Gesichtspunkten variabel zusammengesetzte Verbandsliga ist es möglich, dass aus beiden Verbandsligen Mannschaften in die Landesklasse West absteigen müssen. In diesem Jahr war diese Gefahr besonders groß, denn einige der aus den Bezirken 3, 8 und 9 stammenden Mannschaften in den Verbandsligen waren recht schwach auf der Brust (siehe die Prognose im letzten Saisonrückblick, HESSEN-ROCHADE 7/2007, S. 21). Bis zuletzt schien sich die Gefahr auch tatsächlich zu verwirklichen, denn in der Verbandsliga Nord wurde Wieseck, in der Verbandsliga Süd Taunusstein Letzter. Da beide in die Landesklasse West gehören, hätten aus dieser zunächst vier Mannschaften absteigen müssen. Wäre Limburg Vorletzter der Verbandsliga Süd geworden, wonach es lange aussah, wären sogar drei Mannschaften in die Landesklasse West zurückgekehrt, die ihrerseits dann fünf Absteiger (die Hälfte der Liga) hätte haben müssen!

Obwohl Limburg Drittletzter wurde, drohte dieses Szenario einzutreten, denn wegen ungünstiger Konstellationen in höheren Spielklassen sollten aus den Verbandsligen fünf statt regulär vier Mannschaften absteigen. Deshalb kam es zum Stichkampf zwischen den beiden Drittletzten der Verbandsliga Nord und Süd, den Limburg glücklicherweise für sich entscheiden konnte. Demnach blieb es bei zwei Absteigern aus den Verbandsligen in die Landesklasse West, was zunächst einmal Erbach als Tabellensechsten rettete. Nur im Nachhinein erwies sich die Abstiegsangst für Erbach als unbegründet und der Stichkampf der Verbandsliga als unnötig, weil ein Verein aus der Hessenliga (Baunatal) sein Team ganz zurückzieht. Weitere Probleme eines höherklassigen Vereins – Taunusstein verzichtet auf den Abstieg in die Landesklasse West und kehrt direkt in den Bezirk 8 zurück – retteten schließlich sogar noch den Tabellensiebten Biebertal.

Im Ergebnis könnte man also denken "Viel Lärm um nichts", aber die Situation in dieser Saison belegt, dass ein Szenario, welches zum Abstieg der halben Liga führt, keineswegs unrealistisch ist. Auch mit 10:8 Mannschaftspunkten kann man sich seiner Sache mithin nicht sicher sein. Angesichts dieser Umstände sollte darüber nachgedacht werden, ob nicht in den Landesklassen eine Höchstzahl von (drei) Absteigern festgeschrieben werden sollte. Freilich hat ein solches Modell zugegebenermaßen auch Nachteile, weswegen es vor einigen Jahren schon einmal verworfen wurde. Zumindest aber sollte die variable Einteilung der Verbandsligen nach geographischen Aspekten endlich aufgegeben werden, denn diese undurchsichtige und unlogische Ligastruktur verschärft die Abstiegsprobleme zusätzlich.

Die Vorteile der geographischen Einteilung wiegen deren Nachteile nicht auf. Erschwerend zu alldem kommt für die abstiegsbedrohten Mannschaften noch die unzureichende Information durch die Verantwortlichen des HSV hinzu. Darf man nicht erwarten, dass der Turnierleiter (oder der Pressewart) auf der Homepage des HSV und/oder in der HESSEN-ROCHADE über die Zahl der Absteiger und die hierfür maßgeblichen Bedingungen (Situation in den höheren Ligen) informiert? Dass ein Stichkampf in der Verbandsliga durchgeführt wird, von dem vieles abhängt, und auch andere wichtige Punkte betrachten die Verantwortlichen offenbar nicht als mitteilenswert. Erst im Newsletter vom 1.7.2008, also lange nach Saisonende ist eine offizielle Kundgabe erfolgt. Es wäre schön, wenn für etwas mehr Transparenz gesorgt würde.
Die erfolgreichsten Spieler
In den vier Mannschaften des Bezirks Rhein-Taunus ragten folgende Spieler heraus: Beim Meister Idstein überzeugten Behrang Sadeghi (6,5/9, Leistung: DWZ 2166), Safet Hoti (8/9, Leistung: DWZ 2179) und Dimitro Goloborodko (6,5/8); gut spielte auch Eugenia Korentsvit (5,5/8). Bei Dotzheim II fiel (wie im vergangenen Jahr) Volker Schmidt positiv auf (7/9); überzeugen konnten außerdem Frank Heim (4,5/7), Stefan Donecker (6/9) und Ersatzspieler Adolf Emich (3/3). Wiesbaden 1885 II fand seine besten Punktesammler in Kurt Schreiber (3/4), Thomas Böhmer (5,5/8) und Edelreservist FM Franz Stimpel (3,5/4). Von Erbach sind wie im letzten Jahr Heiko Marzahn (5,5/9), Eric Simon (7/9) und Stefan Friedel (5,5/8) hervorzuheben, außerdem zeigte Nachwuchsspieler Gerhard Jung eine sehr gute Leistung (6,5/8). Von den übrigen Mannschaften sind Eike Brückner aus Lindenholzhausen (5/6, Leistung: DWZ 2329!!) sowie Andreas Barth aus Biebertal (7/9, Leistung: DWZ 2231) zu erwähnen, die beide am Spitzenbrett glänzten.

Ausblick 2008/09
Als Absteiger aus der Verbandsliga Nord kehrt Wieseck, das die Liga 2002/03 als Meister verlassen hatte, in die Landesklasse West zurück. Dagegen tritt Taunusstein als Absteiger aus der Verbandsliga Süd nicht seinen Platz in der Landesklasse West, sondern die Flucht in den Bezirk 8 an. Das Jahr in der Verbandsliga Süd mit 0:18 Punkten scheint dem Verein nicht gut bekommen zu sein. Mit Stadtallendorf kehrt aus dem Bezirk 3 eine altbekannte "Fahrstuhlmannschaft" in die Landesklasse West zurück (Abstieg 2003/04 und 2006/07). Aus dem Bezirk 8 wird die Liga durch die Schachfreunde Stiller Zug verstärkt, die von dem Verzicht anderer Mannschaften profitieren. Aufsteiger aus dem Bezirk 9 ist Rochade Diez, das ebenfalls schon in der Landesklasse West vertreten war (2002/03). Für die Aufsteiger aus den Bezirken 8 und 9 dürfte es ohne nennenswerte Verstärkung allerdings schwer werden, die Klasse zu halten. Sehr kritisch ist die Terminplanung für die kommende Saison zu sehen: Im Zeitraum vom 25.1.2009 bis 15.2.2009 sollen drei Spieltage stattfinden, zwei davon mit einer Pause von nur einer Woche! Bei allen nachvollziehbaren Schwierigkeiten der Terminplanung fehlt einem dafür jedes Verständnis. Warum muss die Saison eigentlich schon am 8.3. beendet sein? Es scheint, als sei den Verantwortlichen das nötige Verständnis für die Interessen der Spieler und die Nöte der Mannschaftsführer ein wenig verloren gegangen.

Dr. Eric Simon, 2. Vorsitzender des Bezirks 8

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