Landesklasse West 2005/2006 - Rückblick
Ende einer Serie
Die abgelaufene Saison in der Landesklasse West bot sowohl im Titelrennen als auch beim Kampf gegen den Abstieg weniger Spannung als frühere Spielzeiten. Endlich endete - nach Meisterschaften von Hungen-Lich 2, Wieseck, Biebertal und Gießen 2 - das Dauerabonnement des Bezirks 3 auf den Titel, freilich nicht zugunsten einer Mannschaft des Bezirks Rhein-Taunus. Statt dessen gelang Niederbrechen aus dem Bezirk 9 recht überraschend, aber verdient der Titelgewinn.
Das Rennen um die Meisterschaft wurde in den Runden 4 und 5 vorentschieden, als Niederbrechen mit Dotzheim 2 seinen schärfsten Konkurrenten hauchdünn schlug und Dotzheim 2 sodann mit einer 3:5-Niederlage gegen das zu siebt antretende Erbach den Anschluss verlor. Zwar startete Dotzheim 2 daraufhin noch einmal durch, doch ließ sich Niederbrechen die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.
Ungewöhnlich langweilig ging es auf den hinteren Rängen zu. Schon bald war abzusehen, wie viele Mannschaften absteigen würden (drei) und um welche Mannschaften es sich dabei handeln würde: Lindenholzhausen, Hungen-Lich 2 und Makkabi Wiesbaden. Insbesondere Hungen-Lich 2 und Makkabi Wiesbaden waren der Klasse nicht gewachsen. Das gegeneinander erspielte Unentschieden bewahrte beide Teams wenigstens vor einem 0:18-Punkte-Debakel, das Aufsteiger in die Landesklasse West nicht selten erleiden.
Saisonverlauf
Zu den einzelnen Mannschaften nach der Reihenfolge ihres Abschneidens:
Die Meisterschaft Niederbrechens (Mannschaftsfoto siehe HESSEN-ROCHADE 5/2006, S. 25) dürfte maßgeblich auf der Konstanz beruhen, mit der das Team auftrat. Nur ein einziger Einsatz eines (zudem starken) Ersatzspielers ist wahrlich rekordverdächtig! Außerdem ist die Mannschaft mit jungen und kampfbereiten Spielern bestückt (Johannes Hildwein, Dominik Garzinsky und Tobias Schupp, der kurioserweise viermal kampflos gewann). Um das Abschneiden in der Verbandsliga muss dem Verein somit nicht bange sein. An den letzten Ausflug in die Verbandsliga wird Niederbrechen freilich mit gemischten Gefühlen zurückdenken, denn damals folgte ein bis in den Bezirk 9 zurückführender Sturzflug, von dem man sich nur langsam wieder erholte.
Vizemeister wurde Dotzheim 2, das zwar die meisten Brettpunkte sammelte, aber vor allem im direkten Vergleich gegen Niederbrechen den Kürzeren zog. Mit Mannschaftsführer Stefan Zimmermann, der an diesem vorentscheidenden Tag nicht spielen konnte, hätte es vielleicht anders ausgesehen. Dritter wurde der Absteiger aus der Verbandsliga, Marburg 2, der mit einem 4:4 gegen Lindenholzhausen und einer Niederlage gegen Dotzheim 2 schlecht aus den Startlöchern kam; ansonsten wäre sicher mehr drin gewesen. Den vierten Platz erreichte Stadtallendorf, das als Aufsteiger aus dem Bezirk 3 nach dem Gesetz der Serie eigentlich Anspruch auf die Meisterschaft hatte. Bis zur 7. Runde, in der man als Tabellenzweiter gegen Dotzheim 2 verlor, sah es sogar nicht einmal schlecht aus. Fünfter wurde Idstein, das sich weiter verstärkt hatte und lediglich viermal Ersatz aufbieten musste. Ich denke Dirk Bender wird mit dem Abschneiden seiner Mannschaft nicht zufrieden sein. Drei 4:4-Ergebnisse sowie zwei 3,5:4,5-Niederlagen machen deutlich, dass in glücklicheren Tagen ein besseres Ergebnis möglich gewesen wäre.
Das weitere Mittelfeld bildeten Taunusstein (Platz 6) und Erbach (Platz 7). Taunusstein musste 22 Mal und damit am häufigsten auf Ersatzspieler zurückgreifen. Der Abgang von Frank Heim wog schwer und konnte durch die Reaktivierung des ehemaligen Oberliga-Cracks Stefan Meyer nicht kompensiert werden. Zudem erzielte Heimkehrer Frank Meyer noch nicht das gewohnt starke Ergebnis. Einige Stammspieler machten nur 4 oder 5 Spiele, was die Sache für Mannschaftsführer Michael Bolduan sicherlich nicht erleichterte. Erbach war in der letzten Saison zwar mit viel Glück dem Abstieg entronnen, in der DWZ-Liste aber auf Platz 2 gesetzt. Doch auch Erbach musste viele Bretter ersetzen, vor allem weil mit Wolfgang Studer und Axel Herms zwei spielstarke Urgesteine des Vereins kaum antraten. Schon deshalb war die DWZ-Setzliste Makulatur und ein wesentlich besserer Platz als der siebte rückblickend kaum realistisch. Der Einbruch kam freilich erst in den Runden 7-9. Übrigens stieg in der Saison 2004/05 mit Braunfels der Zweitplazierte der DWZ-Liste sogar ab!
Von den drei Absteigern schlug sich Lindenholzhausen am besten und erreichte Platz 8, der in der Landesklasse West aber nur unter sehr günstigen Umständen zum Klassenerhalt genügt. Makkabi Wiesbaden und Hungen-Lich 2 werden froh sein, die Saison hinter sich zu haben. Bei Hungen-Lich 2 fielen die besseren Spieler an Brett 1-4 bald aus, so dass eine Menge überforderter Jugendspieler zum Einsatz kam. Hungen-Lich 2 folgt somit dem Beispiel Niederbrechens und muss nach dem Abstieg aus der Verbandsliga in die Landesklasse nunmehr in den Bezirk zurückkehren.
Die erfolgreichsten Spieler
Zu den Einzelspielern der fünf Mannschaften aus dem Bezirk 8 (kampflose Partien sind nicht berücksichtigt): Bei Dotzheim überzeugte Samuel Minor mit einer tollen Leistung (7,5 aus 9); er wird sicher bald in die Erste aufrücken. Ansonsten sind Stefan Zimmermann (4,5/7), Frank Heim (7/9), Gerhard Hartmann (6/9), Volker Schmidt (5,5/9) und Jahanshan Rashidian (3/4) zu nennen. Bei Idstein spielten die vorderen Bretter gut: Behrang Sadeghi (5,5/9), Gero Marten (6/9), Dirk Bender (6/9) und Dimitro Goloborodko (5/8), aber auch Neuzugang Eduard Schwarz (5,5/8) an Brett 8. Bei Taunusstein zeigte Roland Neb an Brett 1 eine starke Leistung (5/8), aber auch Bernd Reinhold (3,5/5), der sich doch einmal aus seiner Edelreservistenrolle heraus in das Stammteam locken ließ. Starke Ergebnisse lieferten außerdem Uwe Menning (4,5/5) an Brett 8 sowie Mannschaftsführer Michael Bolduan (4,5/6) als Hauptreservist. Bei Erbach spielten Hendrik Aßmann (5,5/8), Guntram Althoff (3/4) und Werner Daubitz (5/8) gut. Bei Makkabi Wiesbaden erreichte nur Olga Rjakhovska ein positives Punktekonto (4,5/8).
Ausblick
Als Absteiger aus der Verbandsliga Nord verstärkt Anderssen Wetzlar die Landesklasse West. Aufsteiger aus dem Bezirk 3 ist das starke Braunfels, dem der direkte Wiederaufstieg gelang. Aus dem Bezirk 8 kehrt Dotzheim 3 - ebenfalls nach einem kurzen Intermezzo - in die Liga zurück, der die Mannschaft lange angehörte. Wiesbaden 2 hingegen muss sich ein weiteres Jahr gedulden und damit noch immer an den Folgen des Aufstellungsfehlers aus der Saison 2004/05 tragen. Der Bezirk 9 schickt mit Bad Marienberg gleichfalls einen alten Bekannten ins Rennen, der bereits 2001/02 und 2003/04 dabei war, aber jeweils als Vorletzter direkt wieder abstieg. Die kommende Saison dürfte spannender verlaufen als die vergangene. Die Ende Juli veröffentlichten Mannschaftsaufstellungen offenbaren einige Veränderungen und Überraschungen; das Spielerkarussell hat sich wieder ordentlich gedreht. Für Dotzheim 3 und Bad Marienberg wird es schwer werden, die Klasse zu halten. Ein klarer Titelfavorit ist nicht auszumachen.
Dr. Eric Simon, 2. Vorsitzender des Bezirks 8
- Chronik:
