Landesklasse-West 2003/2004 - Rückblick
Aufstieg im Abo
Die Landesklasse West scheint sich zur Durchgangsstation für den Aufsteiger aus dem Bezirk 3 zu entwickeln. Nach Hungen/Lich II 2001/2002 und Wieseck 2002/2003 sicherten sich diesmal die Schachfreunde aus Biebertal den Titel. (Und mit Gießen II steht der nächste Kandidat vor der Tür!) Die Wertungszahlen ließen nicht unbedingt auf dieses Ergebnis schließen, aber die Meisterschaft wurde in überlegener Manier und verdient errungen. Dabei kamen die Biebertaler Spieler - eine Mischung aus erfahrenen Könnern und ehrgeizigen Nachwuchsspielern - so lieb daher mit ihrem Riesenmaskottchen, aber am Brett ließen sie nicht mit sich spaßen! Man kann fast von einer Demütigung des übrigen Feldes sprechen - von einem spannenden Saisonverlauf, wie ich ihn in meinem letzten Rückblick (siehe Rochade 6/2003) erwartet hatte, keine Spur! Ein wenig Widerstand leistete nur die zu Saisonbeginn noch leicht favorisierte zweite Mannschaft aus Dotzheim, die jedoch in der 4. Runde überraschend gegen Idstein patzte und im direkten Aufeinandertreffen mit Biebertal in der 7. Runde chancenlos mit 2:6 nach Hause geschickt wurde, wobei Biebertal zu diesem Zeitpunkt bereits einen komfortablen Vorsprung an Brettpunkten aufzuweisen hatte.
Saisonverlauf
Wenig Spannung kam auch in der Frage des Abstiegs auf. Dotzheim III und Stadtallendorf setzten sich frühzeitig am Tabellenende fest, so dass zwei Absteiger recht bald gefunden waren. Vor allem für Stadtallendorf entwickelte sich die Saison zu einem Desaster, was nicht zu erwarten war, denn der Absteiger aus der Verbandsliga war nominell das zweitstärkste Team der Landesklasse West. Andererseits ist hier das "nominell" zu betonen, denn Stadtallendorf hatte große personelle Probleme und musste am häufigsten (22 Mal) auf Ersatzspieler zurückgreifen sowie einige Punkte kampflos abgeben. Auch Dotzheim III stand während der gesamten Saison auf verlorenem Posten und war nur noch ein Schatten der ehemals so kampfstarken Truppe, die sich so oft im Abstiegskampf bewährt hatte. Bei den zwei Absteigern blieb es letztlich auch, da keine Mannschaft aus der Verbandsliga Nord den Weg in die Landesklasse West antreten musste. Freilich stand dies erst relativ spät (etwa nach Runde 6) fest, so dass lange Zeit Unsicherheit über einen möglichen dritten Absteiger herrschte.
Von der Unsicherheit war ein breites Mittelfeld betroffen, das im Saisonverlauf sehr eng beieinander lag und sich ein munteres "Wutzerennen" lieferte, bei dem jeder jeden schlagen konnte. Zwischen dem Tabellenzweiten und dem Tabellenachten lagen schließlich nur drei Punkte Abstand, bei den Brettpunkten war es sogar noch knapper. Wie schnell man in dieser Liga noch auf einen Abstiegsplatz rutschen könnte, zeigte Braunfels, das nach der 7. Runde noch auf Platz 4 stand, nach der Schlussrunde aber auf Platz 8 landete. Nur weil die Zahl der Absteiger bereits klar war, kann man es deshalb akzeptieren, dass Dotzheim II in der Schlussrunde in Niederbrechen nicht mehr antrat und dieser Mannschaft damit noch zu einem Sprung auf den 7. Platz verhalf. Mangels Gefahr kämpfte freilich auch Braunfels in der letzten Runde nicht mehr, sondern schloss einen 4:4-Frieden. Von den Mannschaften des Mittelfeldes überraschten vor allem Taunusstein und Idstein positiv. Idstein war auf dem Papier die zweitschwächste Mannschaft, hielt sich aber durchweg im Mittelfeld und erreichte schließlich punktgleich mit Erbach den 5. Platz. Offenbar ließ sich das Team um Dirk Bender von seinem herausragenden Spitzenspieler Behrang Sadeghi mitreißen, der an Brett 1 beeindruckende 7,5 Punkte aus 8 holte.
Auch die Vizemeisterschaft von Taunusstein - nominell die drittschwächste Mannschaft! - war überraschend, zumal Michael Bolduan häufig (18 Mal) auf Ersatz zurückgreifen musste, was im allgemeinen eher ein Indiz für ein schlechtes Abschneiden ist (vgl. Stadtallendorf). Abgesehen von Taunusstein wurde diese Regel aber durchaus bestätigt: Der Meister zeigte das größte Engagement und griff nur 6 Mal auf Ersatz zurück, eigentlich sogar nur zweimal, denn in der Schlussrunde wurde 4 Ersatzspielern Gelegenheit zum Trainieren gegeben. Dotzheim II spielte als Drittplatzierter lediglich 5 Mal mit Ersatz (allerdings bei einem Spiel weniger), Erbach als Vierter 7 Mal und Idstein als Fünfter 9 Mal. In Erbach traten übrigens 5 Spieler in jedem Spiel an - ein Rekord, der von Biebertal nur übertroffen worden wäre, wenn es in der Schlussrunde nochmals die Bestbesetzung aufgeboten hätte. Zur Saisonleistung der übrigen Mannschaften ist nicht viel zu sagen: Dotzheim II enttäuschte wie in den vergangenen Jahren (Platz 3), Erbach spielte konstant (Platz 4), Wiesbaden 1885 II gab erst ab Runde 4 Gas (von 0:6 auf 10:8, Platz 6) und Niederbrechen hatte als Aufsteiger offenbar noch Anlaufschwierigkeiten (Platz 7).
Die erfolgreichsten Spieler
Da der Saisonverlauf wenig Spannung bot, nur noch etwas zu den Einzelspielern der sechs Mannschaften aus dem Bezirk 8 (kampflose Partien sind nicht berücksichtigt): Bei Taunusstein spielte der junge Holger Neb an Brett 2 gut, ebenfalls Altmeister Heinz Rettler sowie Frank Heim (alle 5 aus 8); Edelreservist Bernd Reinhold schlug zuverlässig zu (3 aus 3). Bei Dotzheim II überzeugten nur Stefan Zimmermann und Joachim Doehring an den mittleren Brettern (beide 5,5 aus 7). In Erbach waren die Bretter 5-7 gut in Form: Thorsten Lehner (5,5 aus 9), Eric Simon (7 aus 9) und Werner Daubitz (5,5 aus 9); respektabel schnitt aber auch Wolfgang Studer an Brett 2 ab (4,5 aus 8), der ein besseres Ergebnis in der Schlussrunde unglücklich vergab. Bei Idstein wurde bereits der sehr ehrgeizige Behrang Sadeghi hervorgehoben (7,5 aus 8, Leistung 2425!); gut spielten außerdem Horst Bender (3 aus 4) und Eugenia Korentsvit (6 aus 9). In der Zweiten aus Wiesbaden taten sich vor allem Felix Kayser an Brett 1 (4 aus 6), Otto Poor (5,5 aus 9) und Radovan Klier (3 aus 4) hervor. Bei Dotzheim III erreichte von der Stammformation nur Hermann Gremm 50 Prozent.
Ausblick
Ausblick: In der kommenden Saison steht mit Gießen II wieder ein starker Titelanwärter aus dem Bezirk 3 bereit. Braunfels hat sich mit Mario Baumhackel beträchtlich verstärkt und wird ebenfalls vorne mitspielen. Stark besetzt ist auch Niederbrechen. Dotzheim II musste personell Federn lassen, wird mit weniger Druck aber vielleicht sogar überzeugender auftreten als in den letzten Jahren. Im Mittelfeld werden sich Taunusstein, Erbach und Idstein, bei denen sich nicht viel getan hat, sowie Wiesbaden 1885 II tummeln, das allerdings deutlich schwächer besetzt ist als in der vergangenen Saison. Freilich wird das Mittelfeld nicht von Abstiegssorgen befreit sein, denn aus der Verbandsliga Nord droht Ungemach: Dort stammen die vier DWZ-schwächsten Teams aus der Landesklasse West. Zudem ist meines Wissens die bisherige Beschränkung entfallen, nach der höchstens drei Mannschaften aus der Landesklasse absteigen konnten, so dass realistisch durchaus mit vier Absteigern gerechnet werden muss. Noch schwerer werden es die übrigen Teams haben: Bad Marienberg kehrt als Aufsteiger aus dem Bezirk 9 nach einem Jahr Pause in die Landesklasse zurück, wird diese jedoch kaum halten können. Gleiches gilt für Dotzheim III, das dank der Meisterschaft von Dotzheim IV im Bezirk 8 erneut im Feld vertreten ist. Dennoch wünsche ich natürlich allen Mannschaften viel Erfolg!
Dr. Eric Simon, Vorsitzender Sfr. Erbach
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